Europa vor der Haustür

Europa vor der Haustür

Europa vor der Haustür Die Europaabgeordnete Iris Hoffmann, Mitglied im Haushaltsausschuss, unternimmt den Versuch den europäischen Einfluss auf Mecklenburg-Vorpommern näher zu bringen. Wer profitiert im Land von der Europäischen Union und welche Instrumente existieren?

Europa ist für viele Bürger schwer zu greifen, weit weg und fernab von den alltäglichen Problemen. Europapolitik wird in Brüssel und Straßburg gemacht, nicht im nahen Berlin oder Schwerin. Neben der Bundes- und Landespolitik nimmt die EU in der Wahrnehmung vieler leider oft nur eine Nebenrolle ein.

Doch auch wenn Europapolitik nicht immer sichtbar zu sein scheint, begleitet sie Mecklenburg-Vorpommern doch ständig. Von welchen Mitteln profitiert Mecklenburg -Vorpommern bereits und wie und wo können sich Organisationen, Unternehmen und Vereine über Zuschüsse informieren?

Schloss Bothmer bei Wismar, die Restaurierung wurde nicht zuletzt durch EU-Mittel ermöglicht (Foto: Wolfhard Molter)

Schloss Bothmer bei Wismar, die Restaurierung wurde nicht zuletzt durch EU-Mittel ermöglicht (Foto: Wolfhard Molter)

Der Europäische Fond für Regionale Entwicklung (EFRE) unterstützt das Land bei der Schaffung von Arbeitsplätzen, steigert die Wettbewerbsfähigkeit und somit das Wirtschaftswachstum und bemüht sich um eine Verbesserung der Lebensqualität durch eine nachhaltige Entwicklung. Mit 1.252 Mio. Euro wurde das Land dabei in der Förderperiode 2007 bis 2013 gefördert. In den kommenden 7 Jahren soll Mecklenburg-Vorpommern insgesamt rund 968 Mio. Euro erhalten, davon knapp 130 Mio. Euro im Jahr 2014.

Und schon wieder stehen nackte Zahlen auf dem Papier, stumme Summen mit scheinbar kleiner Bedeutung. Wo landet dieses Geld? Lassen wir die Zahlen sprechen.

Ganz konkret wurden in der letzten Förderperiode (2007-2013) 450 Unternehmen aus dem Mittelstand gefördert, davon 120 Start-Ups, also junge Unternehmen in der Gründungsphase. 360 Mio. Euro wurden in kleinen und mittleren Betrieben investiert.

400 Mio. Euro wurden in Straßen und Städten verbaut. 190 Mio. Euro wurden in die Wirtschafts- und Forschungsinfrastruktur gesteckt. 60 Mio. Euro sind es mehr für in Unternehmen integrierte Innovationen.

Durch diese Maßnahmen wurden 10.000 neue Arbeitsplätze geschaffen.

Mecklenburg-Vorpommern in Europa (EU-Mitglieder: dunkelblau)

Mecklenburg-Vorpommern in Europa (EU-Mitglieder: dunkelblau)

Mecklenburg-Vorpommern ist längst nicht mehr abgeschieden im Nordosten der Republik. Mecklenburg-Vorpommer liegt spätestens seit der EU Osterweiterung im Herzen Europas und bildet somit die goldene Mitte der Europäischen Union. Dabei gilt MV als besonders förderungswürdig.

Auch bei der Verbesserung der Beschäftigungs- und Bildungschancen wird die Landesregierung kräftig von der EU unterstützt. 2014 bekommt MV 52 Mio. aus dem Europäischen Sozialfond.

Auch hier wurde mit den Mitteln schon einiges auf die Beine gestellt. Zwischen 2007 und 2013 wurden 230 Mio. Euro für besseren Bildungszugang und-qualität ausgegeben. 86 Mio. Euro für soziale Eingliederung und nochmal so viel für Fortbildungen und Förderung des Unternehmergeistes in Betrieben. Insgesamt wurden so 110 Tausend Menschen unterstützt.

Die Europäische Union ist doch präsenter im Land als manch einer meinen mag. Angesichts der täglichen Nachrichten zu der verheerenden Lage an den Außengrenzen der EU, ins Taumeln geratenen Mitgliedsstaaten oder populistischer Euro-Feindlichkeit aufblühender Parteilandschaften, könnten die finanziellen Bemühungen der EU in den Bundesländern wohl eher als unaufdringlich durchgehen.

Das werden die 597 Studenten aus MV wohl nicht behaupten, die dank des Erasmus Programmes 2012/13 einen Aufenthalt im EU-Ausland finanzieren konnten und auf diesem Wege zu fließenden Fremdsprachkenntnissen gekommen sind. Im Gegenzug reisten 391 Studenten aus anderen EU-Ländern zum Studieren nach MV und werden Sie eines Tages vielleicht mit ihren Deutschkenntnissen überraschen. Natürlich findet sich auch hier ein wichtiger Beitrag zur Europäischen Integration.

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Die für Mecklenburg-Vorpommern wichtige Landwirtschaft wird durch die EU vielfältig gefördert.

Auch Landwirte werden die Unterstützung der Europäischen Union zu schätzen wissen. Für sie stehen der Europäische Garantiefond für Landwirtschaft (EGFL) für Direktzahlungen sowie der Europäische Landwirtschaftsfond für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) für Förderprogramme für nachhaltige und umweltschonende Bewirtschaftung und ländliche Entwicklung zu Verfügung. Beim letzteren wird auf nationaler Ebene kofinanziert.

Von den jährlich zur Verfügung stehenden 6 Mrd. Euro gehen 5 Mrd. direkt an die Landwirte. Diese Zahlungen machen durchschnittlich 40% des Einkommens landwirtschaftlicher Betriebe in Deutschland aus.

Ganz so weit weg wie es sich manchmal anfühlt, ist die Europäische Union in der Realität nun also doch nicht. Interessierte können sich an das Europaportal Mecklenburg-Vorpommern, ein Bestandteil des Landesinformationssystems, wenden. Auch dies ist übrigens aus EU Mitteln finanziert worden. Weitere Informationsstellen entnehmen Sie bitte dem Anhang.

Als Europaabgeordnete und Mitglied im Haushaltsausschuss möchte ich mich dafür einsetzen, dass diese Quellen nicht versiegen, sondern weiterhin kräftig in das Wohl und Vorankommen unseres Landes investiert werden kann. Ein gesunder Körper fängt im Herzen an. Mein Herz schlägt für Mecklenburg-Vorpommern. Und Mecklenburg-Vorpommern schlägt für die Europäische Union.