Der diesjährige Internationale Frauentag steht in Deutschland ganz im Zeichen dieses Jubiläums. Im Reichswahlgesetz 1918 erhielten erstmals die Frauen in Deutschland das allgemeine aktive und passive Wahlrecht.

Als erste Frau sprach die sozialdemokratische Abgeordnete Marie Juchacz am 19.Februar 1919 vor der Weimarer Nationalversammlung. Sie sagte: „Ich möchte feststellen…, dass wir deutschen Frauen dieser Regierung nicht etwa in dem althergebrachten Sinne Dank schuldig sind. Was diese Regierung getan hat, das war eine Selbstverständlichkeit: sie hat den Frauen gegeben, was ihnen bis dahin zu Unrecht vorenthalten worden ist.“ Jucharcz war eine der 37 Frauen von insgesamt 423 gewählten Abgeordneten.

Bis hierher war es ein langer Weg gewesen. Begonnen hatte dieser Kampf bereits mit der französischen Revolution. Olympe de Gouges bezahlte dies 1795 noch mit ihrem Leben. Um 1900 kämpften engagierte deutsche Sozialdemokraten*innen für das Frauenwahlrecht. Clara Zetkin forderte 1907 auf dem ersten internationalen sozialistischen Frauenkongress in Stuttgart das allgemein Frauenwahlrecht. Die nordeuropäischen Länder wie Finnland, Norwegen und Dänemark führten dies schon zwischen 1906 und 1915 ein. In Frankreich, Italien und Belgien können Frauen von ihrem Wahlrecht hingegen erst seit Mitte der vierziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts Gebrauch machen.

Wenn ich als Parlamentarierin auf 100 Jahre Frauenwahlrecht zurückschaue, ist es interessant, wie sich in den Parlamenten das Zahlenverhältnis von Männern und Frauen gestaltet. Der Anteil der weiblichen Bundestagsabgeordneten liegt heute lediglich bei 31 Prozent. Im internationalen Vergleich belegt Deutschland damit Platz 45! Im Europäischen Parlament beträgt der Frauenanteil auch nur etwa ein Drittel.

Natürlich wurde in den vergangenen Jahrzehnten vieles auf dem Weg zur Gleichstellung von Mann und Frau getan.Wir können inzwischen auf erfolgreiche Frauen, nicht nur in Führungspositionen wirtschaftlicher Unternehmen, blicken. Frauen werden als starke und kompetente Persönlichkeiten wahrgenommen. Unsere Gesellschaft ist aber immer noch geprägt von einem Machtungleichgewicht zwischen Männern und Frauen. Nach wie vor gilt es, alte Rollenbilder zu überwinden.